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Veröffentlicht am 04.10.2026

Calming Signals:

Die Körpersprache des Hundes richtig verstehen

Hunde können nicht mit Worten sagen, wenn ihnen eine Situation unangenehm ist. Sie kommunizieren über ihre Körpersprache – und oft beginnen sie schon sehr früh damit, zu zeigen, dass ihnen etwas zu viel wird.

Gerade bei unsicheren oder ängstlichen Hunden ist es deshalb besonders wichtig, die kleinen Signale wahrzunehmen und richtig zu verstehen. Wer seinen Hund lesen lernt, kann viele Situationen frühzeitig erkennen und seinem Hund helfen, bevor aus Unsicherheit Angst oder sogar Abwehrverhalten entsteht.

Was sind Calming Signals?

Als „Calming Signals“ werden häufig körpersprachliche Signale bezeichnet, mit denen Hunde versuchen, eine Situation zu entschärfen oder Spannung abzubauen.

Sie können damit zeigen:

„Das ist mir gerade etwas unangenehm.“

„Bitte gib mir etwas mehr Abstand.“

„Ich möchte keinen Konflikt.“

„Ich weiß gerade nicht, wie ich mit dieser Situation umgehen soll.“

Solche Signale sind nicht grundsätzlich ein Zeichen von Angst. Hunde nutzen sie in ganz unterschiedlichen Situationen. Deshalb ist es wichtig, nicht nur ein einzelnes Verhalten zu betrachten, sondern immer die gesamte Körpersprache und den jeweiligen Kontext.

Gähnen

Gähnen ist nicht immer ein Zeichen von Müdigkeit.

Ein Hund kann auch gähnen, wenn er angespannt, unsicher oder überfordert ist. Besonders auffällig kann es sein, wenn das Gähnen in einer Situation auftritt, in der der Hund eigentlich nicht müde sein sollte – beispielsweise wenn sich ein fremder Mensch über ihn beugt oder eine ungewohnte Situation entsteht.

Das Gähnen kann dann ein Zeichen dafür sein, dass der Hund versucht, mit seiner Anspannung umzugehen.

Über die Schnauze lecken

Ein kurzes Lecken über die Nase oder die Schnauze kann ebenfalls ein wichtiges Signal sein.

Vielleicht kennen wir die Situation: Ein Mensch beugt sich über den Hund, möchte ihn streicheln – und der Hund leckt sich plötzlich über die Nase.

Das kann ein Zeichen von Unsicherheit oder Anspannung sein. Besonders wichtig wird dieses Signal, wenn gleichzeitig andere Anzeichen hinzukommen, beispielsweise ein abgewandter Kopf, zurückgelegte Ohren oder eine angespannte Körperhaltung.

Wegsehen oder den Kopf abwenden

Wenn ein Hund den Kopf oder den gesamten Körper abwendet, wird das häufig als Ungehorsam oder Desinteresse missverstanden.

Dabei kann genau das Gegenteil der Fall sein.

Der Hund kann damit versuchen, eine Situation zu entschärfen und Konflikten aus dem Weg zu gehen. Er sagt gewissermaßen: „Ich möchte keinen Streit.“

Wenn ein Hund sich von einem Menschen abwendet, sollte man dieses Signal respektieren und ihm nicht einfach weiter folgen oder ihn zum Kontakt zwingen.

Schütteln

Viele Hunde schütteln sich nach dem Baden oder wenn ihr Fell nass geworden ist. Aber Hunde können sich auch nach einer aufregenden oder stressigen Situation schütteln.

Manchmal wirkt es fast so, als würden sie den gerade erlebten Stress regelrecht „abschütteln“.

Beobachtet man dieses Verhalten beispielsweise nach einer Begegnung mit einem fremden Hund oder Menschen, kann es ein Hinweis darauf sein, dass die Situation für den eigenen Hund emotional anstrengend war.

Weitere Signale erkennen

Die Körpersprache eines Hundes besteht aus vielen verschiedenen Signalen. Dazu können unter anderem gehören:

  • Kopf oder Körper abwenden

  • häufiges Blinzeln

  • Lippen oder Nase lecken

  • Gähnen

  • plötzliches Schnüffeln am Boden

  • langsamer werden oder stehen bleiben

  • sich hinsetzen oder hinlegen

  • Abstand suchen

  • den Körper klein machen

  • Ohren nach hinten legen

  • die Rute tief halten oder einziehen

  • Gewichtsverlagerung nach hinten

  • Erstarren oder plötzliches sehr stilles Verhalten

Gerade das Einfrieren oder Erstarren sollte sehr ernst genommen werden. Ein Hund, der plötzlich völlig still wird, ist nicht automatisch entspannt. Im Gegenteil: Er kann sich in einer Situation befinden, die für ihn bereits sehr belastend ist.

Die gesamte Körpersprache betrachten

Ein einzelnes Signal lässt sich nicht immer eindeutig interpretieren.

Ein Hund gähnt vielleicht, weil er müde ist. Er leckt sich über die Nase, weil er gerade etwas Leckeres gerochen hat. Er schüttelt sich, weil sein Fell nass ist.

Deshalb sollte man immer fragen:

Was passiert gerade?

Wie sieht der restliche Körper des Hundes aus?

Was ist unmittelbar davor passiert?

Versucht der Hund, Abstand zu gewinnen?

Je mehr Signale gleichzeitig auftreten, desto besser lässt sich die emotionale Situation des Hundes einschätzen.

Frühzeitig reagieren

Das Wichtigste beim Lesen der Körpersprache ist nicht, jedes einzelne Signal perfekt zu benennen. Viel wichtiger ist es, zu erkennen, wenn der eigene Hund sich unwohl fühlt – und entsprechend zu handeln.

Wenn ein Hund beispielsweise beim Kontakt mit einem fremden Menschen den Kopf abwendet, sich über die Nase leckt und anschließend versucht, Abstand zu gewinnen, sollte man ihm diesen Abstand ermöglichen.

Man muss nicht warten, bis der Hund knurrt oder bellt.

Knurren ist nicht der Anfang der Kommunikation. Es ist häufig das Ergebnis davon, dass vorherige, feinere Signale nicht wahrgenommen oder nicht respektiert wurden.

Wer die frühen Signale seines Hundes erkennt, kann Situationen entschärfen, bevor sie eskalieren.

Den Hund wirklich lesen lernen

Die Körpersprache des eigenen Hundes zu verstehen, ist ein Prozess. Je mehr Zeit man gemeinsam verbringt und je genauer man beobachtet, desto besser lernt man die individuellen Signale kennen.

Gerade bei einem unsicheren Hund kann dieses Wissen einen großen Unterschied machen.

Denn wenn der Hund erlebt, dass sein Mensch seine Signale wahrnimmt und respektiert, entsteht etwas ganz Entscheidendes:

Vertrauen.

Der Hund lernt: „Mein Mensch hört mir zu – auch wenn ich nicht sprechen kann.“

Und genau dieses Vertrauen kann die Grundlage dafür sein, dass ein unsicherer Hund mit der Zeit mutiger wird, neue Erfahrungen zulässt und gemeinsam mit seinem Menschen wachsen kann.