Veröffentlicht am 22.12.2025
Empfehlungen für Hunde aus dem Auslandstierschutz
Hunde aus dem Auslandstierschutz bringen häufig Erfahrungen aus Straßenleben, Sheltern oder Pflegestellen mit, die sich stark von unserem Alltag unterscheiden. Deshalb reagieren viele Hunde anfangs mit Unsicherheit oder Angst.
Bei der Adoption eines Hundes ist zu berücksichtigen, dass sich sein Verhalten im neuen Zuhause deutlich von dem im Tierheim gezeigten unterscheiden kann. Die ungewohnte Umgebung, neue Bezugspersonen sowie veränderte Alltagsstrukturen führen häufig dazu, dass der Hund Zeit benötigt, um sich einzugewöhnen. Eigenschaften oder Verhaltensweisen, die im Tierheim kaum oder gar nicht auffielen, können sich erst im häuslichen Umfeld zeigen, ebenso wie positive Entwicklungen, die zuvor nicht erkennbar waren.
Geduld, Struktur und Ruhe sind die wichtigsten Begleiter während der Eingewöhnung.
1. Allgemeine Grundsätze für die Eingewöhnung
Langsamkeit: Keine neuen Reize überfrachten – alles Schritt für Schritt.
Rückzugsoptionen schaffen und respektieren.
Klare Routinen geben Sicherheit (feste Gassi Zeiten, Fütterungszeiten, Rückzug).
Nicht bedrängen: Der Hund bestimmt Tempo und Abstand.
Belohnt wird ruhiges Annähern, nicht das „Überwinden um jeden Preis“.
2. Ängste vor Alltagsgeräuschen (TV, Staubsauger, Roboter, Haushaltsgeräte)
Fernseher / Radio:
Zunächst auslassen oder nur sehr leise einschalten.
Den Hund nicht direkt vor dem TV platzieren.
Geräusche mit Leckerlis oder ruhigem Verhalten verknüpfen: kurze positive Einheiten, dann wieder aus.
Staubsauger / Saugroboter:
Niemals den Hund „zwingen“, ihn auszuhalten.
Roboter erst in einem anderen Raum starten.
Gerät im ausgeschalteten Zustand geruchlich erkunden lassen.
Langsamer Aufbau:
1. Gerät steht still → Leckerli in der Nähe.
2. Gerät bewegt sich, aber ohne Saugen.
3. Gerät läuft kurz, Hund ist weit entfernt und kann ausweichen.
Rückzugsmöglichkeit anbieten, z. B. Körbchen oder ein anderer Raum.
3. Ängste vor glatten Böden / unbekannten Untergründen
Viele Hunde aus Sheltern kennen nur Erde, Beton oder Gitter.
Hilfen:
Rutschfeste Teppiche oder Läufer auslegen, besonders auf Fliesen/Parkett.
Unterschiedliche Untergründe langsam einführen:
Handtuch → Teppich → dünner Läufer → glatter Boden.
Positive Verstärkung bei jedem vorsichtigen Schritt.
Kein Locken „über die Angst hinweg“, sondern geduldiges Bestärken.
4. Angst vor Innenräumen / Türen / engen Räumen
Türen anfangs offenlassen, damit der Hund selbst entscheiden kann.
Futter oder Wasser nicht zu weit im Raum platzieren, damit er sich nicht bedrängt fühlt.
Große Bewegungsfreiheit im ersten Schritt:
Den Hund nicht sofort in alle Räume „ziehen“, sondern ankommen lassen.
5. Der richtige Rückzugsort (Hundekörbchen)
Ein sicherer Rückzugsort ist entscheidend, vor allem für Angsthunde.
Eigenschaften eines guten Rückzugsortes:
Abseits vom Durchgangsverkehr (nicht mitten im Wohnzimmer).
Möglichst ruhige Ecke, aber dennoch so, dass er die Familie beobachten kann.
Höhlenartige Strukturen (z. B. Körbchen mit Decke, Box ohne Tür, Hütte) bieten vielen Auslandshunden Sicherheit.
Kinder und Besucher wissen:
„Hier darf der Hund nicht gestört werden.“
Platzierungs-Tipps:
Nicht direkt neben lauten Geräten (Küche, TV).
Nicht direkt an der Haustür oder einem Fenster, das oft frequentiert wird.
Wenn möglich ein zweiter, alternativer Ruheplatz in einem anderen Raum.
6. Umgang mit Angst im Alltag
Angst nicht bestrafen oder ignorieren – Trösten ist erlaubt, es verstärkt Angst nicht.
Signale früh erkennen:
Gähnen
Ohren zurück
Zittern
angespannte Körperhaltung
Abstand vergrößern, Alternativen bieten:
z. B. vor dem Staubsaugen in ein anderes Zimmer mit Kauspielzeug.
Rückzug respektieren – der Hund lernt dadurch, dass er Kontrolle hat.
7. Gassi gehen in der Anfangszeit
Viele Auslandshunde kennen kein Geschirr, keine Leine und keine Reize draußen.
Doppelte Sicherung mit Halsband + Geschirr + Doppelleine (mind. 4 Wochen).
Ruhige Zeiten wählen (frühmorgens, spätabends).
Keine Hundewiesen oder stark frequentierte Orte am Anfang.
Tempo des Hundes übernehmen: schnüffeln, stehenbleiben, beobachten.
8. Beschäftigung und mentaler Stressabbau
Sanfte Beschäftigungsformen in der Anfangszeit:
Kauartikel (stressabbauend)
Schnüffelspiele
Schleckmatten
Ruhige Denkspiele
Kurze, entspannte Spaziergänge
Keine Überforderung durch:
lange Wanderungen
Hundeschule direkt am Anfang
Besucherstress
wilde Spiele
9. Tierärztliche Untersuchungen
Viele Auslandshunde haben Trauma durch Tierärzte, Transporte oder Fangaktionen.
Tierarztbesuche langsam vorbereiten:
Erstmal nur die Praxis betreten, ohne Behandlung.
Leckerlis, ruhige Kontakte.
Eine Praxis mit angstfreiem / Fear-Free-Konzept suchen.
10. Wichtigste Regeln für ein erfolgreiches Ankommen
Geduld statt Erwartungen
Rückzug statt Druck
Routine statt Chaos
Beobachten statt interpretieren
Sicherheit statt Überforderung
Weniger ist mehr
